In den Medien

Michèle Binswanger / Nicole Althauser: Macho-Mamas. Warum Mütter im Job mehr wollen sollen. Nagel & Kimche 2012. 25.90 CHF

Emanzipierte Frauen erwarten heute vom Leben all das, was für Männer selbstverständlich ist: einen befriedigenden Beruf, eine Beziehung mit erfülltem Sexleben, Freizeit und ein anständiges Gehalt. Sobald Paare aber Kinder bekommen, ändert sich alles: Frauen schicken den Mann an die Ernährerfront und geben ihre beruflichen Pläne auf. Wenn eine Frau dagegen trotz Familie Karriere machen will, braucht sie unerschöpfliche Energie, muss sich gegen Machtspiele am Arbeitsplatz durchsetzen – und dabei auch noch attraktiv aussehen. Warum das so ist und warum es nicht sein muss, zeigen die Autorinnen in ihrem provokanten und pointierten Ratgeber.

Samar Yazbek: Schrei nach Freiheit. Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution. Nagel & Kimche 2012. Kartoniert. CHF 25.90

“Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehe” – mit diesem Vorsatz nimmt die Journalistin Samar Yazbek an der Revolution gegen das Regime al-Assads in Syrien teil. Sie geht auf die Straße, befragt Demonstranten, aus der Haft entlassene Dissidenten, aber auch Polizisten. Bald wird sie selbst in die Ereignisse hineingezogen und mehrmals verhaftet und misshandelt. In eindringlichen Bildern erzählt Yazbek von Protest, Folter und Verzweiflung in Arabien. Als sie erfährt, dass ihr Name auf einer Todesliste steht, flieht sie mit ihrer Tochter ins Ausland. Yazbeks Erlebnisbericht ist ein erschütterndes, sprachlich brillantes Dokument über Widerstand und Menschlichkeit. Mit einem Vorwort von Rafik Schami.

Girsberger, Esther: Eveline Widmer-Schlumpf. Die Unbeirrbare. Orell Füssli-Verlag. Kartoniert. 2011. CHF 29.90

Eveline Widmer-Schlumpf nahm 2007 die Wahl in den Bundesrat gegen den Willen ihrer damaligen Partei an. Im Wissen, welche Konsequenzen dieser Entscheid mit sich bringen würde. Aber die eigenständige Bündner Bundesratstochter liess sich schon als Kind nicht unter Druck setzen. Im Gespräch mit der Journalistin Esther Girsberger äussert sich Widmer-Schlumpf erstmals umfassend zu ihrer politischen Grundhaltung und zu ihrer Amtstätigkeit der letzten vier Jahre. Private und berufliche Weggefährten geben in einem biografischen Teil Einblick in den Werdegang der Politikerin, die sich auch in schwierigen Situationen nicht von ihrem Weg abbringen liess.

Dobelli, Rolf: Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. Hanser Verlag. Gebunden. 2011. CHF 22.90

Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern – die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten “Denkfallen” unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir, – warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), – warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, – warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, sie sind ein echtes Lesevergnügen. “Rolf Dobelli ist sowohl mit Sachkenntnis als auch Erfindungsgabe gesegnet – eine seit Ende der Renaissance seltene Kombination.” Nassim Nicholas Taleb, “Der Schwarze Schwan”

Lewitscharoff, Sibylle: Blumenberg. Suhrkamp. 2011. Gebunden. CHF 32.90

Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle – für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt. »Blumenberg« ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet. Und auf der Shortlist 2011 für den Deutschen Buchpreis.

Florescu, Catalin Dorian: Jacob beschliesst zu lieben. Beck-Verlag. Gebunden. 2011. CHF 30.50

Der Gewinner des Schweizer Buchpreises 2011!

Soeben durften wir noch einen Event mit Catalin Dorian Florescu gestalten und nun ist er bereits Preisträger. Wir mögen ihm den Erfolg von Herzen gönnen und gratulieren zu diesem wunderbaren Buch und dem wohlverdienten Erfolg!

Rüedi, Peter: Dürrenmatt oder Die Ahnung vom Ganzen. Diogenes. 2011. Gebunden. CHF 49.90

Die erste große Biographie über Friedrich Dürrenmatt – vom Pfarrerssohn aus dem Emmental zum Autor von Weltruhm und mit Millionenauflagen, glänzend und packend geschrieben von Peter Rüedi, einem der ausgewiesensten Dürrenmatt-Kenner.

Largo, Remo: Jugendjahre. Piper-Verlag. 2011. Gebunden. CHF 35.90

Computersucht, Komasaufen, Schulmüdigkeit – selten gibt es positive Schlagzeilen über Jugendliche. Und das, obwohl die Mehrheit selbstbewusst, verantwortungsvoll und mit viel Eigeninitiative in die Welt startet. Mit ihrem Buch wollen Remo H. Largo und Monika Czernin Verständnis für die Jugendlichen und ihre schwierigen Entwicklungs- aufgaben wecken und den Blick dafür schärfen, dass sie es sind, in deren Händen die Zukunft liegt. In bewährter Manier bietet das Buch Ra t und Hilfe für verunsicherte Eltern, Lehrer und alle, die mit Jugendlichen zu tun haben – ein Buch, das zum Umdenken auffordert.

Weiwei, Ai: Macht euch keine Illusionen über mich. Galiani-Verlag. 2011. Kartoniert. CHF 28.90

Der Revolution beim Wachsen zusehen. Ai Weiweis verbotener Blog erstmals auf Deutsch: einer der spannendsten Texte über das moderne China – und das ergreifende Dokument wachsender Wut und wachsenden Widerstands. Nicht erst seit seiner Verhaftung wurde Ai Weiwei zur Ikone des Kampfes für Meinungsfreiheit, Menschenwürde und das Recht des Einzelnen auf individuelle Selbstentfaltung. Fast vier Jahre lang dokumentierte er im Internet, was er in seiner Heimat erlebte und was er sich dazu dachte – ein Glücksfall allein schon dies, liest man doch endlich einmal nicht die Analyse eines westlichen Experten, sondern den Bericht eines Chinesen, der sein Land liebt, viele Entwicklungen aber mit immer größerer Skepsis beobachtet: SARS, Milchpulverskandal, Olympische Spiele, Korruption, Organhandel, der Umgang mit dem Gedenken an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens – zuviel stößt ihm auf. Nach einem großen Erdbeben, bei dem 20.000 Menschen zum Teil deshalb starben, weil aus minderwertigem Material gebaute öffentliche Gebäude zusammenfielen wie Kartenhäuser, beginnt er – öffentlich und mit der Kamera in der Hand – nach den Verantwortlichen zu fragen. Und die Bevölkerung dazu aufzurufen, sich zu organisieren. Zweimal wird er bei seinen Recherchen zusammengeschlagen. Sein Blog gewinnt an Wut – 2009 schreiten die Behörden ein, die Seite wird gesperrt, alle Einträge werden gelöscht. Eine in Vorbereitung befindliche chinesische Buchausgabe wird zurückgezogen. Ai Weiwei twittert weiter, mit je 120 chinesischen Zeichen pro Nachricht. 2011 verhaftet man ihn unter fadenscheinigen Gründen. Ein amerikanischer Verlag erarbeitete mit Ai Weiwei eine Buchausgabe, jetzt gibt es sie erstmals auf Deutsch. Der Kampf um Ai Weiweis Blog steht beispielhaft für den Kampf ums Internet in China. In seinen Texten sieht man einer Revolution beim Wachsen zu. Sie sind spannende persönliche Zeugnisse und haben das Zeug zum Klassiker der engagierten Literatur.

Bolano, Roberto: Das Dritte Reich. Hanser-Verlag. 2011. Gebunden. CHF 29.90

Udo Berger hat nur eine Leidenschaft: Kriegsspiele. Selbst im Urlaub an der Costa Brava verbringt er die meiste Zeit mit dem Strategiespiel “Das Dritte Reich”, einer Simulation des Zweiten Weltkriegs. Eines Abends lernt Udo den mysteriösen “Verbrannten” kennen, ein angeblich durch Folter verunstalteter Lateinamerikaner, von dem er sofort fasziniert ist. Im “Dritten Reich” soll dieser den Part der Alliierten übernehmen und den Lauf der Geschichte ändern. Der unheimliche, subtil ironische Roman ist ein Glanzstück aus Roberto Bolaños Nachlass. Er beschreibt die Verdrängung der Vergangenheit durch eine ritualisierte Konsumkultur und stellt die Frage nach dem Geheimnis des Bösen.