Belletristik

Aus dem Milchmeer entstand die Welt. Acht Göttergeschichten aus Indien. Baobab. CH 26.00

Weit und wandlungsreich ist der indische Götterhimmel. Die Götter und Göttinnen haben im Hnduismus viele Gesichter und viele Namen, die Verwandtschaft ist verzweigt und nicht selten auch verzwickt. Trotz göttlicher Kräfte werden aber durchaus weltliche Verwicklungen verhandelt, und dabei geht es mitnichten immer friedlich zu und her. Der elefantenköpfige Ganesha ist bekannt für seine Streiche, der beschützende Vishnu streitet mit dem Schöpfergott Brahma. Dieser schreckt auch nicht davor zurück, eine faustdicke Lüge aufzutischen, um gut dazustehen. Und wenn die Welt gerade mal wieder vom Bösen beherrscht wird, dann braucht es die unerschrockene Durga, um das Dämonische zu besiegen. Argwohn, List, Macht und Liebe – der vielschichtige Stoff der indischen Mythologie lädt zum Staunen, Nachdenken und Schmunzeln ein. Begleitet werden die Nacherzählungen von Miniaturmalereien aus der Sammlung des Museum Rietberg Zürich. Diese Kunstform erlebte ihren Höhepunkt zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert an den Fürstenhöfen Indiens. Parvati, Krishna, Ganesha und viele weitere göttliche Figuren nehmen so Gestalt an, und es scheint mit einem Mal, als wäre es noch gar nicht so lange her, dass die Welt dem Milchmeer entstiegen ist.

Bernhard Schlink: Olga. Diogenes. 33.00 CHF

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Emmanuelle Bayamack-Tam: Ich komme. Secession Verlag. 33.50 CHF

Ich kommeDieses Buch liest sich wie eine zeitgenössische Komödie: Es ist zum Lachen, es geht an Grenzen, überschreitet sie und zeichnet dabei ein bitterböses Bild der Welt von heute. Emmanuelle Bayamack-Tam sucht sich Themen, die wehtun: Rassismus, der das Leben zur Hölle macht; das Alter, das in unserer Gesellschaft einem Schiffbruch gleicht; oder die Familie, die zum Hassobjekt wird. Ich komme. ist ein Fetisch-Roman: Menschen sind besessen von Objekten, die sie ganz nach Stimmungslage kaufen, sammeln, benutzen und wieder verwerfen. Ein adoptiertes Kind kann man doch wohl zurückgeben, wenn es keinen Spaß mehr macht. Dieser Roman erinnert an Charles Dickens’ Bleak House, in dem er das dekadente Leben der Oberschicht schildert, deren selbstvergessene Existenzweise von nichts mehr geprägt ist als von materiellen Sorgen. Die Wohlhabenden reproduzieren ihren Wohlstand auf dem Rücken der Bedürftigen, Liebe wird nicht mehr geliebt, und die Kinder sind weniger kindisch als ihre Eltern. Diese Spielregeln erschaffen eine Welt, die nur noch als Missverständnis funktioniert. Kann es aktueller zugehen als in einer solchen Komödie? Drei große Erzählungen bilden das innere Gerüst dieses unbehausten Zuhauses: Tochter, Mutter und Großmutter liefern uns drei Versionen der unbequemen Wirklichkeit: Nelly, die älteste, zieht ihr Resümee und findet nur Bedauern; Gladys, die Mutter, will sich für ihre Lebensunfähigkeit rechtfertigen, was in einen wut-entbrannten rhetorischen Rachefeldzug mündet; und schließlich Charonne, erst von den Eltern, dann von den Adoptiveltern aufgegeben, ihrer Hautfarbe wegen als »schwarz« wahrgenommen und zudem noch übergewichtig. Sie ist die ein-samste unter den Ausgestoßenen, doch gerade sie strahlt eine unerschöpfliche Energie aus. In ihrem scharfsinnigen Sittenbild macht Emmanuelle Bayamack-Tam diese Tochter zur Heldin mit der Kraft, eine Welt zu entwerfen, in die das Leben wieder einzieht. Wie eine provokative Prophezeiung ruft sie aus: »Ich komme!«

Arno Geiger: Hinter der Drachenwand. Carl Hanser Verlag 2018. 37.50 CHF

Geiger

Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom „Brasilianer“, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.

Mitja Vachedin: Engel sprechen russisch. DVA. 25.50 CHF

Engel„Mein russisch-deutsches Zahnpastaleben“ – Von einem der auszog, das Glück zu finden

»Wie Zahnpasta bestehe ich aus drei Schichten: zehn Jahre sowjetische Kindheit, zehn Jahre wilder russischer Kapitalismus, zehn Jahre Westdeutschland. Rot, blau, weiß – mein russisch-deutsches Zahnpastaleben.«

Mitja hat schon drei Leben hinter sich. Er will endlich mal irgendwo ankommen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn das Scheitern in den Genen liegt: Die Babuschka schaffte es statt nach St. Petersburg nur bis zu einem Vorort an der Bahnstation »125 Kilometer«. Der Großvater, einst stolzer Seemann, verkauft nach dem Zerfall der Sowjetunion Pullover von der Motorhaube seines Ladas. Der Vater, ein bärenstarker Mann, greift nach dem Verlust seines Jobs immer öfter zur Flasche. Deutschland erscheint für Mitja und seine Mutter wie das gelobte Land – werden sie dort endlich Wurzeln schlagen können und ihr Glück finden?

Mitja Vachedin zeichnet ein Leben nach, in dem die Hoffnung auf Besserung zuverlässig von den Launen des Schicksals durchkreuzt wird, und findet zwischen Traum und Alltagsrealität immer wieder einen Zauber im ansonsten selten zauberhaften Alltag.

Amor Towles: Ein Gentleman in Moskau. List 2017. 31.90 CHF

Towles AmorMoskau, 1922. Der genussfreudige Lebemann Graf Rostov wird verhaftet und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, ausgerechnet im Hotel Metropol, dem ersten Haus am Platz. Er muss alle bisher genossenen Privilegien aufgeben und eine Arbeit als Hilfskellner annehmen. Rostov mit seinen 30 Jahren ist ein äußerst liebenswürdiger, immer optimistischer Gentleman. Trotz seiner eingeschränkten Umstände lebt er ganz seine Überzeugung, dass selbst kleine gute Taten einer chaotischen Welt Sinn verleihen. Aber ihm bleibt nur der Blick aus dem Fenster, während draußen Russland stürmische Dekaden durchlebt. Seine Stunde kommt, als eine alte Freundin ihm ihre kleine Tochter anvertraut. Das Kind ändert Rostovs Leben von Grund auf. Für das Mädchen und sein Leben wächst der Graf über sich hinaus

 

Mascha Kaléko: Verse für Zeitgenossen. DTV. 17.90 CHF

 

Mascha Kalékos Exilgedichte

KalekoVon den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen, verlor Mascha Kaléko nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Sprache und damit ihr Publikum. Sie schrieb also nicht mehr wie im ›Lyrischen Stenogrammheft‹ für die breite Masse, sondern richtete sich an ihre Leidens- und Zeitgenossen, die mit ihr ins Exil gehen mussten.
Melancholisch, oft sehnsüchtig, aber pointiert und mit dem ihr eigenen Witz thematisiert sie Heimat und Fremde und setzt wie nebenbei dem New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village, in dem sie mit ihrer Familie lebte, ein literarisches Denkmal. ›Verse für Zeitgenossen‹ war einer der wenigen Bände, die in den Vierzigerjahren in deutscher Sprache in den USA veröffentlicht wurden.

Freundinnen. Diogenes. 14.00 CHF

Vollanzeige

freundinnenGeschichten über die Menschen, die uns nicht immer nah, aber doch am nächsten sind, die uns so gut kennen, dass sie uns deshalb auch mal zur Weißglut treiben. Die beste Me­dizin gegen Liebeskummer und die drei K: Kinder, Kilos, Klamottenkrisen. Und der verlässlichste Kompass bei großen Entscheidungen. Mit Texten von Astrid Rosenfeld, Elena Ferrante, Chimamanda Ngozi Adichie, Ingrid Noll, Nora Bossong, Zsuzsa Bánk, Anna Gavalda, Zadie Smith, Miranda July, Jenny Erpenbeck, Eva Menasse, Siri Hustvedt, Connie Palmen, Annika Reich, Margarethe Stokowski, Anna Stothard, Daniela Krien, Theresia Enzensberger, Ronja von Rönne u.v.a. Mit einem Vorwort von Doris Dörrie.


Der schönste Ort der Welt. Von Menschen in Buchhandlungen. Diogenes. 14.00 CHF

OrtEine Buchhandlung zu betreten kann verschiedene Gründe haben: Manche lieben den Geruch der neuen oder ganz alten Werke, andere vielleicht einfach die Buchhändlerin oder den Buchhändler. Einige suchen nach Inspiration, andere nur nach einer Möglichkeit zur Flucht aus dem Alltag oder dem eigenen Leben. Manch einer will die eigenen Bücher an den Mann bringen, manch anderer (schon etwas Bekannterer) aus ihnen bei einer Lesung vortragen. 20 Geschichten zum Tatort Buchhandlung, erzählt von Autoren wie Ingrid Noll, George Orwell, Petra Hartlieb, Patricia Highsmith und vielen anderen. Und als Bonus: Zehn Tipps zum Anbandeln in Buchhandlungen.


Juli Zeh: Leere Herzen. Luchterhand. 27.90 CHF

ZehSie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.

Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…

„Leere Herzen“ ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender‎ Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.